Also, ich habe auch zur Zeit weder eine Professur für HIV-Forschung noch eine für Gentherapie. Vielleicht funktionieren die obigen Behandlungsmöglichkeiten ja wirklich ganz gut.
Ich bin ebenso wie Du nicht in der Lage, dass akurat abzuschätzen.
Ich bin nur immer sehr skeptisch, wenn neue Möglichkeiten angepriesen werden, die HIV in Schach halten sollen, zumal sich der HI-Virus in die menschliche DNA integrieren kann und zudem sehr stark zu Mutationen neigt. Wenn man wirklich HIV heilen will, dann müsste man sämtliche (und wirklich sämtliche) mit HIV infizierten Zellen identifizieren und zerstören. Und ich bezweifele, dass wir dafür in den nächsten Jahren die Technik dafür haben.
Es gibt schon heute Viren, wie Du beschriebst, die keine T-Helferzellen benötigen. .
Das Hauptziel von HIV sind immer die TH2-Zellen. Die "normalen" HI-Viren brauchen den CCR5-Rezeptor auf der Zelle, um in die Zielzelle einzudringen, die CCR5X-resistenten HIV-Stränge brauchen ihn nicht.
Bildlich gesprochen:
Th2-Zellen sind Häuser, HI-Viren Einbrecher. Der CCR5-Rezeptor ist die Haustür. Menschen mit der homozygoten CCR5 Mutation hätten dann folglich Häuser ohne Haustür. Normale Einbrecher können folglich dann nicht mehr einbrechen, daher die Vollimmunität.
Dummerweise ist jetzt aber jeder Millionste Einbrecher gross genug, dass er die Fenster im 1.Stock erreichen kann und darüber einsteigen kann. (das wären dann die mutierten HIV-Stränge)
Bei einer Standartinfektion beim normalen Menschen sieht das dann ungefähr so aus. 10 Einbrecher kommen und überfallen die Stadt. Die Häuser haben Türen, die Einbrecher nisten sich ein, besetzen die Häuser und kriegen Kinder, die dann auch die anderen Häuser überfallen und besetzen, usw, bis die ganze Stadt in Einbrecherhand ist.
Eine Infektion bei einem Menschen, der von Geburt die schützende CCR5-Mutation hat, sieht so aus: 10 Einbrecher kommen in die Stadt, kommen aber nicht in die Häuser rein und werden auf der Strasse von der Polizei abgeführt.
Bei einem Menschen, der jetzt schon Jahre HIV hat und jetzt eine CCR5-Mutation mit einer Gentherapie bekommt: Die ganze Stadt ist ein einziger Slum und komplett von Einbrechern besetzt. Das Miltär (aka Gentherapie) marschiert ein macht das Regierungsviertel dem Erdboden gleich und baut 10000 Wohnung ohne Haustür dort, und erlässt ein Gesetz, dass Wohnungstüren bei Neubauten verbietet.
Das ganze geht eine Weile gut, weil die Einbrecher ja nicht in die neuen Wohnungen im Regierungsviertel kommen. Gleichzeitig erholt sich die Stadt, weil Schritt für Schritt Altbauten mit Haustüren abgerissen und durch Neubauten ohne Haustüren ersetzt werden.
Blos irgendwann wird ein Einbrecher geboren, der der ein wahrer Riese ist. Der kann dann auch über die Fenster im 1.Stock in die Neubauten einsteigen und sich dort einnisten und Kinder kriegen.Dessen Kinder sind auch genauso gross. Und Stück für Stück wird dann das Regierungsviertel und alle Neubauten von den Nachfahren dieses einen grossen Einbrechers besetzt. Und irgendwann nach 100 Jahren, wenn alle Häuser einmal abgerissen und wieder aufgebaut wurden, dann besteht die ganze Stadt nur noch aus grossen Einbrechern.
Ich ging davon aus, das die Therapie einen Patienten eine Teilimmunität verleiht, ähnlich den Menschen mit einer heterozygot geerbten CCR5-D32 Mutation. Mag sein, das dies ein Trugschluss ist.
Ich denke, das Ziel einer jeden Gentherapie wird eine homozygote Mutation sein. Nach obiger Parabel, wäre eine heterozygote Mutation beim Menschen ein Haus mit einer sehr schmalen Tür, durch die sich die meisten der Einbrecher nur schwer reinquetschen können. Die Polizei kann also den ein oder anderen Einbrecher fassen, der in der Tür stecken geblieben ist.