Ich stimme @Matsen voll zu.
Bei manchen Aussagen werden auch viele Klischees bedient. Die anschmiegsame Thai, die stets hübsche Russin, usw. Otto Normalverbraucher, der selber über Castrop Rauxel nicht hinauskommt, erklärt sich so die Welt. Und selbst die um die Welt jettenden Pauschaltouristen erweitern ihren Horizont um lokale Kultur und Lebensweise nicht wirklich. Wie oft habe ich in Kenya, aber auch anderen Regionen, Familien getroffen, die zwei bis drei Wochen ihr Resort nicht ein Mal verlassen haben, um die Dörfer um sie herum zu Fuß zu besuchen. Und die Safari der Dreibeiner bestand im Besuch der einschlägigen Kneipen und Discos.
Die so hübsche und geile Russin ist im Regelfall eine hart arbeitende Frau, die - anders als die deutschen Emanzen - die Bereiche Arbeit/Versorgung und Frau sein bestens miteinander verbinden kann. Hinter der Wohnungstür gibt auch sie den Ton an und nicht der Mann. So wie nebenbei in vielen südlichen und südöstlichen Ländern die Frau im Haus das Sagen hat. Das männliche Machogehabe findet nur in der Öffentlichkeit statt. Fremdgehen ist dabei bekannt und wird auch in gewissem Maße akzeptiert. Eine eben wirklich starke Beziehung auf allen anderen Ebenen hält das aus. Deswegen wird auch eine Russin für den Mann, den sie liebt, bei Gefahr wie eine Löwin kämpfen und ihn kompromisslos unterstützen. Mit der Verwestlichung weichen diese Verhaltensmuster leider langsam auf. Auf junge Frauen in großen Städten treffen sie immer weniger zu.
Für andere Kontinente kann ich keine Beurteilung abgeben, da ich dort nur oberflächlich Rahmenbedingungen bei Reisen kennengelernt habe. Tiefere gesellschaftliche und familäre Einblicke habe ich nur bei den GUS Staaten.
Mal noch eine kurze Erlebnisgeschichte dazu: Über allem stehen in meinen Augen nach wie vor gesellschaftliche Kultur und die jeweiligen Lebensbedingungen. Nicht zu vergessen die Sprache als wichtigstes Kommunikationsmittel. Um die Jahrtausendwende hatte sich ein damaliger Freund von mir - vermeintlich - in eine junge Ukrainerin (20 Jahre Altersunterschied) verliebt. Sie war eher so eine Semi-Pro, also ein mit Versprechungen gelocktes Mädel, aber keine klassische Prostituierte. Kennengelernt hatten sie sich auch nicht in Deutschland, sondern an ihrem Aufenthaltsort in einem anderen Land. Langer Rede, kurzer Sinn: Nach einem knappen Jahr kam sie dann auf Besuch nach Deutschland. Damals noch mit extra organisiertem Visum, Einladungsverpflichtungserklärung und dem ganzen Sch... Obwohl sie selbst aus einer größeren und sehr schönen Stadt in der Ukraine kam, hat sie Nürnberg als Großstadt erst einmal erschlagen. Es war das bunte und glitzernde Konsumparadies schlechthin. Nun fanden die Treffen aber nicht mehr extra wegen ihr und damit mit viel Zeit an ihrem Ort statt, sondern mein Freund musste natürlich arbeiten gehen, verließ also morgens das Haus, kam abends wieder, klassischer Tagesablauf. Damit kam Madame aber nicht klar. Dass halt zu einer vollen Brieftasche auch zehn Stunden Arbeit am Tag gehören und nur wenige Wochen Urlaub im Jahr, hat die Gute nicht verstanden. Auch, weil sie zu jung war. Dass man nicht jeden Tag essen geht, sondern er erwartete, dass sie ihm abends mal ein Schnitzel in die Pfanne haut, war ihr ebenfalls schwer vermittelbar. Und dann kam dazu, dass ihr mangels Sprachkenntnissen das Selbstvertrauen fehlte, alleine in die Stadt zu gehen und auch mal Besorgungen zu machen. Das - ich nenne es mal so - Experiment ging ein paar Wochen und wurde dann mit ihrer Heimreise zu Mama beendet. Die große Liebe war es letztendlich wohl auch nicht. Wenn eben zu viele Faktoren bei einer Beziehung von Menschen aus unterschiedlichen Kultur- und Lebensräumen nicht passen, wird es immer schwer mit einem dauerhaften Zusammenleben sein.
Ich hatte weiter oben ja geschildert, wie ich bei einem ukrainischen Mädchen auch mal in großer Liebesgefahr war. Um Spekulationen vorzubeugen: Dies hier ist nicht meine Story. Gleichwohl bin ich, anders als der seinerzeitige Lover, mit der heute vierzigjährigen Frau noch in Kontakt. Sie ist meine beste Freundin in der Ukraine (auch weil uns nach der Trennung von meinem damaligen Freund noch viele Abenteuer - nie gemeinsamer Sex ! - verbinden) und es gibt immer ein Riesenhallo wenn wir uns ab und zu treffen. Sie ist glücklich verheiratet, hat einen sehr netten ukrainischen Mann und für ihre inzwischen 19-jährige Tochter bin ich so was wie der Patenonkel.
Ich sag ja immer, irgendwann schreibe ich meine Memoiren...
